30.03.2017
Aktuelle Probleme der Teichwirtschaft in der Oberpfalz – Austausch zwischen FREIE WÄHLER Landtagsfraktion und Vertretern des Fischwirtschaftsgebietes Tirschenreuth

Schönficht. Ortstermin in der Oberpfalz: Auf Einladung von Hans Klupp, Vorsitzender des Fischerzeugerrings Oberpfalz sowie der Arge Fisch, kamen im oberpfälzischen Schönficht Landtagsabgeordnete der FREIEN WÄHLER zu einem Informationsaustausch zusammen. Mit dabei: Gabi Schmidt, Mitglied im Beirat des Fischerzeugerringes Mittelfranken, Dr. Leopold Herz, agrarpolitischer Fraktionssprecher, Johann Häusler, Mitglied im Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Dr. Karl Vetter, Stimmkreisabgeordneter aus Cham, Landrat Wolfgang Lippert (FREIE WÄHLER), Bernhard Feneis, Präsident des Verbands der Deutschen Binnenfischerei und Teichwirte, sowie Fischer aus der Region. Inhalt der Gesprächsrunde waren die aktuellen Probleme der Teichwirtschaft in der Oberpfalz, die von Hans Klupp in einem Positionspapier dargestellt wurden.

Traditionell bewirtschaftete Teiche prägen das Gesicht der nördlichen Oberpfalz im Landkreis Tirschenreuth. Mit dem Karpfen wird ein lokales Produkt von höchster Qualität naturschonend produziert. Darüber hinaus trägt das Teichgebiet viel zur regionalen Identität bei, bietet einen hohen ökologischen Wert und ist Agrarkulturerbe. Mittlerweile schmücken Skulpturen sogenannter „Phantastischer Karpfen“ als Kunstprojekt die Landschaft. Zudem locken Veranstaltungen wie etwa die „Erlebniswochen Fisch“ zahlreiche Touristen in die Region. Diese über 1000 Jahre alte Kultur der Teichwirtschaft sieht sich aktuell jedoch mit vielfältigen Problemen konfrontiert. Neben zunehmendem bürokratischem Aufwand macht die steigende Zahl von Fressfeinden des Karpfens wie Kormoran, Fischotter, Biber und Silberreiher den Teichwirten das Leben schwer. Das mitten in der Teichlandschaft liegende SPA-Gebiet Waldnaabaue bietet diesen ein ideales Rückzugsgebiet. Zum Fressen suchen die Prädatoren dann die umliegenden Teiche auf – ein reichlich gedeckter Tisch. Hier richten sie hohe wirtschaftliche und ökologische Schäden an, da hier auch verschiedene Amphibien, wie der vom Aussterben bedrohte Moorfrosch, ihren Lebensraum haben. Verlieren die Teichwirte ihre Wirtschaftsgrundlage, verschwinden auch die pflegebedürftigen Teiche und mit ihnen die seltenen Amphibien.

Die Wünsche der Teichwirte sind eindeutig: Gegen Kormorane sollen verbesserte Abwehrmöglichkeiten geschaffen werden, speziell im Gebiet der Waldnaabaue. Eine ganzjährige Bejagung, auch an den Schlafplätzen, müsse gestattet werden, so die Forderung. Darüber hinaus äußerten sie auch Kritik an  der geplanten Weiterentwicklung des Kormoranmanagements, welches stark auf ehrenamtliche Tätigkeit ausgedehnt werden soll. Aufwendige Aufgaben wie die Kartierung von Kormoranen benötige aber viel Zeit und könne nicht ohne Entschädigung oder allein im Ehrenamt ausgeführt werden, so die Überzeugung aller Anwesenden. Bernhard Feneis fügte hinzu, dass der Kormoran ein internationales Problem sei und auf EU-Ebene ebenfalls ein nachhaltiges Bewusstsein für die Auswirkungen der Anwesenheit des Vogels auf die Teichwirtschaft geschaffen werden müsse.

Auch für Biber und Fischotter forderten die Gesprächspartner bessere Entnahmemöglichkeiten. Der Silberreiher, den viele noch nicht als konkrete Gefahr wahrnehmen, müsse zudem in der AAV (Artenschutzrechtliche Ausnahmeverordnung) erfasst werden. Die Teichwirte fordern schließlich die zügige Umsetzung der Maßnahmen. Ansonsten sei aufgrund der von den Fressfeinden verursachten hohen Verluste eine ökonomisch rentable Teichwirtschaft bald nicht mehr möglich.

Voraussetzung für die Umsetzung sei ein besseres Image der Teichwirtschaft und eine höhere Wertschätzung ihrer wirtschaftlichen, kulturellen und ökologischen Bedeutung durch die Öffentlichkeit. So ist die traditionelle Teichwirtschaft nicht selten Grundlage für artenreiche Landschaften und Natura 2000-Gebiete. Dabei muss stets bedacht werden, dass Teiche keine natürlichen Gewässer sind. Ohne die Arbeit der Teichwirte als Kulturlandschaftspfleger würden diese wertvollen Ökosysteme zunehmend verlanden und verschwinden. Ein Verlust an Biodiversität wäre die unumgängliche Folge. Entsprechend ist eine der zentralsten Forderungen der Teichwirte um Hans Klupp eine Neuausrichtung des Bayerischen Vertragsnaturschutzprogramms (VNP). Statt der bisherigen Belohnung des Nutzungsverzichts müsse in Zukunft wieder eine verstärkte Nutzung im Fokus stehen. Das Ziel, den wertvollen Lebensraum zu erhalten, könne nur mit einer extensiven, traditionellen Nutzungsweise einhergehen.

Die Abgeordneten der FREIE WÄHLER Landtagsfraktion sicherten den Teichwirten ebenso wie den kommunalen Vertretern ihre Unterstützung auf Landesebene zu. Es müsse auf die Staatsregierung eingewirkt werden, um die aktuelle Situation und die daraus resultierenden Folgen zu verdeutlichen, denn – wie es Landrat Wolfgang Lippert formulierte – für viele Betriebe sei es fünf vor zwölf.

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