06.07.2017
Herz und Häusler informieren sich beim Verband der Bayerischen Schafhalter

Abgeordnete diskutieren über Weidewirtschaft und Wiederkehr des Wolfs

Die extensive Weidewirtschaft ist einer der Grundsteine für die Kulturlandschaft in Bayern. Sie erfüllt multifunktionale Aufgaben, die Einflüsse auf verschiedenste Bereiche haben – etwa den Tourismus oder auch die Imkerei.

Den Tierhaltern stehen dennoch die Sorgenfalten im Gesicht, denn die bevorstehende Rückkehr des Wolfes und die daraus folgende Unsicherheit schweben wie ein Damoklesschwert über den Betroffenen. Grund genug für unseren agrarpolitischen Sprecher Dr. Leopold Herz und den Abgeordneten Johann Häusler, ebenfalls Landwirt, sich vor Ort bei den Betroffenen ein Bild zu machen.

Auf Einladung von Josef Grasegger, dem Vorsitzenden des Verbandes der bayerischen Schafhalter, durften sich die beiden Abgeordneten die Schäferei Seitz in Klais bei Mittenwald anschauen. Dabei hatten sie die Möglichkeit, mit den Praktikern vor Ort einen intensiven Austausch zu vollziehen. An den Flächen der Schäferei Seitz wurde deutlich, dass der Schutz der Tiere vor dem Wolf kaum realisierbar ist. Auf dem unwegsamen Gelände sind die Schäfer froh, wenn sie einen Zaun aufstellen können.

Auch Herdenschutzhunde sind nicht realisierbar, denn die Flächen sind durchzogen von Wanderwegen. Dies führte bei Anwesenheit dieser Hunde unweigerlich zu Konflikten zwischen Wanderern und den Nutztierhaltern. Außerdem sind die rund 600 Schafe der Schäferei auf vier Standorte verteilt, entsprechend wären mindestens acht Hunde erforderlich, um die Herden wirksam zu schützen. Das allerdings erforderte einen zeitlichen und finanziellen Aufwand, der nicht geleistet werden kann.

Noch ist der Wolf in Bayern keine Gefahr, doch gilt es sich frühzeitig darauf einzustellen. In Sachsen gehört Meister Isegrim schon zum sorgenvollen Alltag der Schafhalter und in näherer Zukunft muss damit gerechnet werden, dass er auch in Bayern dauerhaft ansässig wird. Entsprechend müssen aus Sicht der Schafhalter einige Fragen geklärt werden – vor allem rechtliche. Zum Beispiel sollte der Grundschutz für Weidetiere genau definiert werden, Zäune dürfen nicht zu hoch sein. Ein 90 cm hoher Elektrozaun sollte ausreichen, um eine Herde als grundgesichert einzustufen. Des Weiteren sollten auch baurechtliche Aspekte, die beispielsweise beim Errichten von Schutzhütten beachtet werden müssen, unkompliziert geregelt werden. Sollte es zu Übergriffen bei grundgesicherten Herden kommen, muss eine Entnahme von Wölfen schnell und unbürokratisch möglich sein – so die einhellige Forderung von Schafhaltern und FREIE WÄHLER Landtagsfraktion.

Ein weiteres Anliegen ist der Ausbau der Beratung zum Herdenschutz in Bayern. Um die Schafhalter bayernweit effektiv beraten zu können, müssen hier zusätzliche Stellen geschaffen werden. Darüber hinaus sollte die Beratung beim – fachlich besser geeigneten – Landwirtschaftsministerium angesiedelt werden und nicht wie bislang beim Umweltministerium.

Die verzweifelt in die Zukunft blickenden Schafhalter sind auf der Suche nach Verbündeten. So verstehen sie die Haltung verschiedener Verbände, die für Naturschutz stehen, nicht. Schafhalter leisten einen wichtigen Beitrag zum Vertragsnaturschutz und erhalten mit ihrer extensiven Beweidung naturschutzfachlich wertvolle Flächen. Sollten sie mit der extensiven Weidehaltung in näherer Zukunft aufhören, gingen diese Flächen verloren oder müssten durch Landschaftspfleger erhalten werden. Das würde das Bild der Landschaft trüben und kann auch nicht im Interesse von Naturschützern liegen. Tourismusverbände müssten sich bewusst werden, dass die bevorstehende Rückkehr des Wolfes zwar gut vermarktet werden kann, der Preis dafür jedoch extrem hoch ist. Hier, so Herz, müsse auch die Öffentlichkeit aufgeklärt werden, denn im schlimmsten Fall gingen viele wertvolle Flächen verloren.

Bereits im Februar dieses Jahres wurde im federführenden Umweltausschuss ein Dringlichkeitsantrag der FREIEN WÄHLER angenommen, der rechtzeitige Maßnahmen zum Schutz vor dem Wolf fordert. Neben der Anpassung des Schutzstatus des Wolfes in der FFH-Richtlinie lauten zentrale Forderungen der FREIEN WÄHLER auf eine deutlich bessere Ausstattung des Präventionsfonds, damit Herdenschutzmaßnahmen und Vergrämungsmethoden gefördert werden können. Ebenso soll ein Managementplan Stufe 3 erstellt werden, damit bereits vor der Ansiedlung der ersten Rudel eine schlagkräftige Richtlinie entsteht, an der sich alle Betroffenen orientieren können.

Abschließend kam die besonders problematische rechtliche Situation bei Herdenausbrüchen zur Sprache. Diese Ausbrüche werden oft durch Beutegreifer wie den Wolf ausgelöst. Grundsätzlich ist bei Ausbrüchen für die entstehenden Schäden jedoch der Nutztierhalter haftbar. Diesen Punkt wollten die FREIEN WÄHLER mit ihrem Dringlichkeitsantrag eigentlich klären – leider wurde genau dieser Punkt von der CSU-Fraktion aus dem Antrag gestrichen. Die Brisanz des Themas und die Notwendigkeit, das Problem zu lösen, bleiben dennoch. Abschließend sagten Herz und Häusler daher zu, dass sich die bayerischen Schafhalter auch in Zukunft der politischen Unterstützung der FREIE WÄHLER Landtagsfraktion sicher sein dürfen.

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