14.09.2017
FREIE WÄHLER kritisieren Schieflage im Gesundheitssystem

Vetter: Gesundheitspolitik für die Menschen verlangt grundlegende Neuordnung

Coburg. Unterversorgung mit Haus- und Fachärzten, finanzielle Bedrängnis bei Hebammen, Krankenhäusern und Apotheken – die FREIE WÄHLER Landtagsfraktion kritisiert die Schieflage des Gesundheitssystems und fordert ein Umdenken sowie eine grundlegende Neuordnung. „Wir benötigen endlich eine Gesundheitspolitik für die Menschen. Die negativen Entwicklungen im Gesundheitswesen sind seit Langem bekannt“, warnt Dr. Karl Vetter, gesundheitspolitischer Sprecher der FREIE WÄHLER Landtagsfraktion, auf der Klausurtagung in Coburg.

Die Altersstruktur bei den Haus- und Fachärzten sei keine spontane Entwicklung, sondern zeichne sich bereits seit Jahrzehnten ab. Aktuell seien in Oberfranken bereits 35,7 Prozent der Hausärzte 60 Jahre und älter, für Coburg sehe es mit 36,6 Prozent nicht viel besser aus, so Vetter. Im nordöstlichen Oberfranken erreiche sogar schon jeder zweite Hausarzt dieses hohe Alter. „Dennoch hat die Staatsregierung über lange Jahre keine Gegenmaßnahmen getroffen. Um junge Mediziner für eine Hausarzttätigkeit auf dem Land zu begeistern, braucht es mehr als Geld. Die dramatische Entwicklung zeigt, dass das gesamte System krankt“, erklärt Vetter. „Da hilft es nichts, einzelne Löcher zu stopfen und Stipendien zu vergeben. Wir brauchen eine transparente Finanzierung der Ärzte ohne willkürliche Budgetierung, drohende Regresse und überbordende Bürokratie. Dann werden sich genügend Ärzte für eine eigene Niederlassung interessieren – auch auf dem Land.“ Ebenso seien mehr Studienplätze, Lehrstühle für Allgemeinmedizin an allen medizinischen Fakultäten sowie eine geringere Gewichtung der Abiturnote für den Zugang zum Medizinstudium – um fachspezifische Neigungen besser berücksichtigen zu können – langjährige Forderungen der FREIE WÄHLER Landtagsfraktion.

„Ein weiteres Stiefkind der Gesundheitspolitik der Staatsregierung sind die Hebammen: Kaum ein Beruf sieht sich trotz seiner enormer Bedeutung für die Gesellschaft einer derartigen finanziellen Bedrängnis ausgesetzt wie die Hebammen. Dennoch unternimmt die Staatsregierung seit Jahren nichts“, moniert Vetter. Die FREIEN WÄHLER fordern eine angemessene Finanzierung der Geburtshilfe und insbesondere der Hebammen, den Abbau der bürokratischen Hürden, eine Niederlassungsförderung und vor allem einen Haftungsfreistellungsfonds, um den zum Teil existenzbedrohenden Beiträgen zur Berufshaftpflichtversicherung entgegenzuwirken.  

Der Krankenhaus Rating-Report 2017 weist Bayern neben Baden-Württemberg die unrühmliche Position des Schlusslichts hinsichtlich der finanziellen Lage der Krankenhäuser zu. „Die Staatsregierung muss endlich aus ihrem Dornröschenschlaf aufwachen“, fordert Vetter, „nur durch eine grundlegende Reform der Krankenhausstruktur, durch die sichergestellt wird, dass eine angemessene Anzahl an Krankenhäusern flächendeckend in Wohnortnähe vorgehalten werden, kann dauerhaft ein hohes Versorgungsniveau erhalten werden.“ Durch die Einführung der Fallpauschalen für die Krankenhausfinanzierung sei es zu einer derartigen Verzerrung gekommen, dass bestimmte Leistungen wirtschaftlich sehr reizvoll für Kliniken seien. Damit entstehe ein Druck, diese Leistungen auch vermehrt zu erbringen – unabhängig von der tatsächlichen Notwendigkeit für die medizinische Versorgung der Patienten.  

Im Bereich der Apotheken ist die flächendeckende Versorgung – auch nachts und am Wochenende – gefährdet. „Die Apotheke vor Ort muss erhalten bleiben! Die Wettbewerbsbedingungen, insbesondere bei der Vergabe von Boni auf Arzneimittel, müssen fair ausgestaltet sein und dürfen keine ausländischen Versandapotheken bevorzugen“, erklärt Vetter. „Niedergelassene Apotheken verkaufen nicht bloß Arzneimittel, sie sind wichtige Anlaufstellen für die Menschen und bieten rund um die Uhr wichtige Beratungsleistungen an.“