18.09.2015
Gutachten im Auftrag der FREIEN WÄHLER zeigt deutliche Mängel im Netzentwicklungsplan

Glauber: Zweifelhafter HGÜ-Trassenbedarf fußt auf lückenhaften Berechnungen

Großwallstadt. Im Rahmen ihrer Klausur in Unterfranken hat die FREIE WÄHLER Landtagsfraktion heute ein Gutachten zur Notwendigkeit der beiden HGÜ-Leitungen nach Bayern vorgestellt. Das von der Forschungsgesellschaft für Alternative Technologien und Wirtschaftsanalysen erstellte Gutachten kommt zu dem Schluss, dass der aktuelle Netzentwicklungsplan zahlreiche Maßnahmen zur Reduzierung des Trassenbedarfs völlig ignoriert.

Wegen der im Gutachten aufgezeigten Schwächen sei eine Neuberechnung des Netzentwicklungsplans zwingend geboten, fordert der energiepolitische Sprecher der FREIEN WÄHLER im Landtag, Thorsten Glauber. „Wir sind davon überzeugt, dass – gemeinsam mit weiteren Maßnahmen wie Stromspeichern, Nachfragemanagement, Stromeinsparung und Reservekraftwerken in Süddeutschland – der Netzausbau reduziert und auf die beiden HGÜ-Leitungen nach Bayern verzichtet werden kann.“

Glauber weiter: „Das Gutachten bestätigt unsere große Skepsis gegenüber den HGÜ-Trassen nach Bayern. In erster Linie dienen die Trassen dem Transport von Kohlestrom für den europäischen Stromhandel. Müssten sich die Kohlekraftwerksbetreiber an den Kosten der nur für sie notwendigen Stromtrassen beteiligen, würde der Kohlestrom hingegen unwirtschaftlich.“ Energieexperte Glauber beklagte außerdem, dass Alternativen zum Trassenbau in den Ausbauplänen kaum berücksichtigt werden. Hierzu zählten die problemlos mögliche Erhöhung der Übertragungsleistung bestehender Stromleitungen sowie die Abregelung sehr selten vorkommender Einspeisespitzen von Erneuerbaren Energien.

Glauber: „Der aktuelle Netzentwicklungsplan ist hinsichtlich der HGÜ-Trassen nicht das Papier wert, auf dem er steht. Er macht nur dann Sinn, wenn wir bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag auf Braunkohlestrom setzen. Eine ambitionierte Bürgerenergiewende mit Speichern und flexiblen Ersatzkraftwerken macht die Trassen überflüssig.“ Nach Auffassung der FREIEN WÄHLER sei daher ein Malus für die CO2-intensive Stromerzeugung erforderlich. Der europäische Emissionshandel könne dies theoretisch leisten, sei jedoch durch jahrelange Lobbyeinflüsse so sehr mit Emissionszertifikaten überschwemmt worden, dass Kohlekraftwerke ihren klimaschädlichen Strom heute zu Dumpingpreisen produzieren könnten, so Glauber.

„Erforderlich ist daher eine entsprechende Regelung auf nationaler Ebene. Die FREIE WÄHLER Landtagsfraktion hatte die Staatsregierung erst im Juni 2015 wieder in einem Dringlichkeitsantrag aufgefordert, sich auf Bundesebene für einen Abbau der Überkapazitäten bei den alten Kohlekraftwerken einzusetzen. Das wurde von CSU und SPD abgelehnt.“

Hinweis: Das Gutachten von Prof. Jarass im Wortlaut finden Sie unten links unter "Weitere Informationen".