01.07.2018
Fachkongress der FREIEN WÄHLER: „Fischerei in Bayern – Tradition und Nachhaltigkeit“

Schmidt fordert angemessene Entschädigung für Schäden durch Kormoran und Co.

München. Steht die Fischerei in Bayern vor dem Aus? – Fest steht: Kormoran, Biber und der aus der Oberpfalz nach Mittelfranken einwandernde Fischotter machen den Anglern und Fischern immer stärker zu schaffen. Ein Problem, über das die FREIEN WÄHLER auf dem Fachkongress „Fischerei in Bayern – Tradition und Nachhaltigkeit“ im Bayerischen Landtag diskutierten. Die mittelfränkische Abgeordnete und Teichwirtin Gabi Schmidt sowie der landwirtschaftspolitische Fraktionssprecher Dr. Leopold Herz sprachen mit Experten unter anderem darüber, wie der Fortbestand der artenreichen Gewässer im gesamten Freistaat gesichert werden kann.

Herz berichtete vom erst vergangene Woche im Landwirtschaftsausschuss behandelten Antrag der FREIEN WÄHLER zur besseren Bekämpfung der Fischräuber: „SPD und Grüne lehnten glatt ab, weil sie wie immer ausschließlich auf den Naturschutz pochen. Die CSU wollte eine eventuelle Entnahme lediglich ‚prüfen lassen‘. Einzig wir FREIEN WÄHLER haben uns kompromisslos für die Interessen der Teichwirte eingesetzt.“ Es sei bedauerlich, dass erneut keine praktikable Regelung zustande gekommen sei, zumal in drei Bundesländern des benachbarten Österreichs eine Entnahme ohne Probleme möglich sei – sogar entgegen EU-Recht, so Herz.

Gastgeberin Gabi Schmidt trat energisch für eine bessere Entschädigungsregelung des Freistaats zugunsten von Fischern und Anglern ein. „Der Kormoran ist ein Küstenvogel und Druck auf das Binnenland muss unbedingt vermieden werden – das war vor 30 Jahren in Deutschland noch Konsens. Dennoch wurde nichts unternommen, um die übermäßige Ausbreitung des Tieres von Schleswig-Holstein bis hin zu uns an den Aischgrund zu verhindern.“ Angler und Fischer seien die wahren Naturschützer am Wasser, nicht aber selbsternannte Tierschützer wie die der Organisation „Peta“, welche die Fischer mit meist haltlosen Strafanzeigen überzögen, so Schmidt.

Fischer und Angler dürften durch solche Einschüchterungsversuche nicht demotiviert werden, forderte Dr. Martin Oberle, Karpfenexperte und Moderator des Abends. Oberle betonte die Einzigartigkeit der Fischerei in Bayern, die es zu schützen gelte. Es bedürfe einer aktiveren Informationspolitik der einschlägigen Verbände, man müsse verstärkt an die Medien herantreten – und Information statt Polemik anbieten. Um die Entnahme eines Teils der Tiere komme man ohnehin nicht herum.

Dies unterstützte Manfred Braun, Leitender Ministerialrat a.D.: Das Leitbild einer nachhaltigen Fischerei basiere auf drei Komponenten. Neben dem zweifellos wichtigen Naturschutz seien dies auch das gesellschaftliche Gewicht sowie die wirtschaftliche Bedeutung der Fischerei. Braun kritisierte, dass letztere dem Naturschutz oft untergeordnet würden. Zu Unrecht, wie sich am Beispiel der massiven Anwürfe der Tierschutzorganisation „Peta“ auch gegen das Schnupper- und Königsfischen zeige. Diese seien für die Jugendarbeit unerlässlich und hielten die Angelfischerei zusammen.

Nur wer jungen Menschen ansprechende und spannende Projekte anbiete, könne sie für die Fischerei begeistern, so Andreas Tröster, stellvertretender Jugendkoordinator des Bayerischen Landesfischereiverbandes, dazu. Seine Organisation gehe inzwischen bereits auf Viertklässler zu, um diese an die Materie heranzuführen. Leider machten auch dem Bayerischen Landesfischereiverband immer wiederkehrende Anzeigen wegen angeblich unsachgemäßen Umgangs mit lebenden Tieren zu schaffen. Die im Mai in Kraft getretene Datenschutzgrundverordnung bereite seiner Organisation zusätzliche bürokratische Probleme.

Willi Ruff, Vizepräsident für die Angelfischerei des Landesfischereiverbands Bayern, sagte, der grundsätzlich begrüßenswerten Kormoranverordnung mangele es an einer effektiven Umsetzung: Private Jäger trauten sich oft aus Furcht vor Repressalien nicht, Kormorane zu jagen und an vielen Gewässern im Freistaat gebe es schlicht gar keine Jäger. So könne sich die Population des Fischräubers immer weiter ausbreiten. Allein der Kormoran fresse täglich tausend Tonnen Fisch und jage bis in Gebirgsgewässer hinein. Dort habe er jedoch nichts verloren und müsse daher in ausreichendem Maße entnommen werden.

Schmidt schloss den Abend mit einem großen Lob für ihre Gäste: „Die Fischereivereine im Freistaat und ihre Mitglieder sorgen mit Artenhilfsprogrammen und strengen Fangbestimmungen für einen gesunden Fischbestand und den Schutz der natürlichen Gewässer. Für diesen Einsatz danken wir Ihnen sehr herzlich. Wir FREIEN WÄHLER wollen im Landtag unseren Teil dafür leisten, dass Fischen und Angeln im Freistaat wieder attraktiver wird – und es bleibt.“

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