Gabi Schmidt

06.08.2018
Fraktion vor Ort in Neustadt an der Aisch: FREIE WÄHLER diskutieren über Nachwuchssorgen im Handwerk

Schmidt: Akademiker verdienen nicht automatisch besser als Handwerker

Die Baubranche boomt, das Handwerk hat wieder goldenen Boden. Doch Unternehmen finden kaum noch geeignete Auszubildende. Die Folgen sind verheerend: Auftraggeber müssen mittlerweile bis zu einem Jahr auf Handwerker warten – oder aber die Handwerker nehmen gar keine Aufträge mehr an. Bei der Veranstaltung „Fraktion vor Ort: Ausbildung im Handwerk: Goldener Boden?“ in Neustadt an der Aisch hat die FREIE WÄHLER-Abgeordnete Gabi Schmidt mit den anwesenden Gästen darüber diskutiert, wie wieder mehr Auszubildende für das Handwerk gewonnen werden können.

Viele Betriebe seien mittlerweile erfinderisch und würden mit Anreizen wie einem kostenlosen Auto oder einem Startgeld um Azubis werben, erklärte Schmidt. „Dennoch werden in Mittelfranken am 1. September wieder ungefähr 1000 Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben.“ Problematisch sei das schlechte Image der Mittelschule, betonte der Bäcker-Obermeister Karl Gräf. „Die Mittelschule wird seit Jahren schlecht- und kleingeredet. Der gesellschaftliche Druck, einen höheren Bildungsabschluss anzustreben, steigt seit Jahren – mit der Folge, dass uns geeignete Auszubildende im Handwerk fehlen“, so Gräf. Schmidt appellierte an die Verantwortung von Eltern und Lehrern: „Es ist selbstverständlich, dass Eltern und Lehrer nur das Beste für ihre Kinder und Schüler wollen, aber eine akademische Ausbildung bedeutet nicht automatisch einen besseren Verdienst als im Handwerk.“

Der Fliesenleger Jan Kempf sieht auch die Handwerksunternehmen in der Pflicht: „Über seine Arbeit entwickelt der Handwerker eigentlich Selbstbewusstsein und Selbstwert. Beides scheint aber zu schwinden. So kann man keinen Nachwuchs für das Handwerk begeistern.“ Schmidt ergänzte: „Aufgrund des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels sind Bayern und Deutschland auf den Zuzug hochqualifizierter junger Menschen aus dem Ausland angewiesen.“ Es brauche daher ein Einwanderungsgesetz nach kanadischem oder australischem Vorbild über ein Punktesystem. In dieses Punktesystem müssten Kriterien wie etwa Mindestkenntnisse der deutschen Sprache, Mindeststandards der beruflichen Qualifikation, das Alter der Bewerber sowie ein in Aussicht gestellter Arbeitsplatz miteinfließen.

Notwendig sei außerdem, Handwerk und Schulen besser miteinander zu vernetzen. Mehr Lehrlingsausbildungstage für das Handwerk könnten helfen, wieder mehr junge Menschen für das Handwerk zu begeistern. Außerdem fordern die FREIEN WÄHLER, verpflichtende Praktika auch in weiterführenden Schulen einzuführen. Auch im Bereich der schulischen Berufsorientierung müsse nachgebessert werden, so Schmidt: „Eine bedarfsgerechte Berufsberatung kann mehr junge Menschen in eine handwerkliche Ausbildung bringen.“ Doch dafür fehlten bislang die nötigen Ressourcen. „Die Staatsregierung muss hier dringend mehr Mittel bereitstellen“, so Schmidt.

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