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Florian StreiblFlorian Streibl
07.05.2020
FREIE WÄHLER gedenken 75. Jahrestag des Kriegsendes

Streibl: Wir Nachgeborene tragen eine besondere Verantwortung

München. Am 8. Mai 1945 erklärte Deutschland seine bedingungslose Kapitulation. Damit endete der Zweite Weltkrieg – ein historischer Tag, der sich morgen zum 75. Mal jährt. In Europa endete damit auch eine Zeit der Verwüstung, die mit Hitlers Machtergreifung 1933 und dem verbrecherischen Einmarsch Deutschlands in Polen am 1. September 1939 begonnen hatte. „Bis Kriegsende sind nach Schätzungen von Historikern mehr als 60 Millionen Menschen ums Leben gekommen. Das ist eine Zahl, die mich noch immer fassungslos macht – vor allem angesichts des von den Nazis industriell organisierten Massenmords an den Juden“, so der Vorsitzende der FREIEN WÄHLER im Bayerischen Landtag, Florian Streibl.

In der Stunde Null habe dann oft der Zufall über das weitere Schicksal der Bevölkerung entschieden – auch in Bayern: „Wer Glück hatte, konnte in seine Heimat zurückkehren, doch Millionen Menschen wurden heimatlos und mussten sich im Freistaat unter großen Mühen ein neues Leben aufbauen. Und wer den Zweiten Weltkrieg überlebt hatte, sorgte sich um Schicksal und Verbleib von Familienangehörigen und Freunden“, so Streibl weiter.
 
Die meisten Deutschen hätten den Zusammenbruch der NS-Diktatur zudem als schwere Niederlage empfunden und es habe vier Jahrzehnte gedauert, bis der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker diese Sichtweise durch eine historische Rede im Deutschen Bundestag ändern konnte. Streibl: „Von Weizsäcker sagte wörtlich: ‚Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.‘ Diese Sichtweise teile ich von ganzem Herzen, denn damit hat der verstorbene Bundespräsident 1985 aufgezeigt, dass der 8. Mai vor allem das Ende eines furchtbaren Irrwegs deutscher Geschichte ist.“

Von Weizsäcker habe jedoch auch betont, dass es keine Kollektivschuld gebe, sondern Schuld stets eine persönliche sei. „Wir Nachgeborene tragen deshalb eine besondere moralische Verantwortung dafür, dass sich Weltkrieg und Holocaust niemals wiederholen werden“, folgert Streibl. Angesichts des neu aufkeimenden Antisemitismus in Deutschland sei die Wachsamkeit jedes Bürgers gefragter denn je: „Lassen Sie uns bereits den Ursachen der deutschen Katastrophe in aller Entschiedenheit entgegentreten – unabhängig davon, ob sie uns in Form von Rassismus, Antisemitismus oder Menschenhass begegnen. Das sind wir den Opfern des NS-Wahns schuldig – auch und gerade unseren Befreiern.“

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