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Bernhard PohlBernhard Pohl
03.06.2020
Vertriebenenpolitische Sprecher von FREIEN WÄHLERN und CSU würdigen Resolution

Pohl/Zellmeier: Charta der Heimatvertriebenen beispielloses Zeichen humanitärer Gesinnung

München. Die vertriebenenpolitischen Sprecher der beiden Regierungsfraktionen Bernhard Pohl (FREIE WÄHLER) und Josef Zellmeier (CSU) erinnern voller Respekt an die Charta der Heimatvertriebenen, die vor 70 Jahren verabschiedet wurde und bis heute Gültigkeit hat. „Millionen von Menschen aus dem Sudetenland, aus Schlesien und anderen von Deutschen besiedelten Gebieten in Osteuropa haben in den Jahren 1945 und 1946 ihre Heimat verloren, die allermeisten durch unrechtmäßige Vertreibung. Sie haben viel Leid und Ungerechtigkeit hinnehmen müssen. Umso anerkennenswerter ist es, dass sie sich wenige Jahre später bereits in einer gemeinsamen Resolution dazu bekannt haben, auf Rache und Vergeltung zu verzichten und die Hand zur Versöhnung auszustrecken“, betont Zellmeier.

Sein Kollege Bernhard Pohl von den FREIEN WÄHLERN richtet den Blick auf die positiven Entwicklungen der letzten Jahre: „Die Charta der Heimatvertriebenen war die Grundlage dafür, dass wir nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Diktaturen in Osteuropa einen Dialog mit unseren östlichen Nachbarn aufnehmen und Brücken in die alte Heimat schlagen konnten. Wir haben einen neuen, gemeinsamen und verbindenden Weg mit unseren Nachbarn in Osteuropa begonnen, vor allem mit den Menschen in Tschechien. Dabei hatten wir immer auch die Erinnerung an das begangene Unrecht der Vergangenheit im Blick, allerdings nicht aus dem Blickwinkel der Vergeltung, sondern der Aussöhnung im Geiste der Marienbader Erklärung. Ich freue mich sehr, dass wir nun wieder Gemeinsamkeiten in den Mittelpunkt rücken und spüren, wie wir Trennendes überwinden und daraus sogar Freundschaften entstehen lassen.“
 
Zellmeier sieht im Geist der Charta auch den Nährboden für einen gemeinsamen europäischen Geist. „Engstirniger Nationalismus ist einer neuen Offenheit gewichen. Die Vertriebenen haben ihr Hab und Gut verloren und ihre angestammten Städte und Dörfer verlassen müssen. Sie haben ihre Heimat aber im Herzen behalten und können nun ohne Groll und Bitterkeit jederzeit zurückkommen. Das hätten wir uns vor 30 Jahren nicht träumen lassen.“
 
Pohl weist darauf hin, dass eine Versöhnungsbotschaft als Reaktion auf Vertreibungsunrecht einmalig sein dürfte: „Weltweit haben schon viele Bevölkerungsgruppen Vertreibungsunrecht erlitten, bis in die heutige Zeit. Es dürfte aber einzigartig sein, dass gerade die Leidtragenden nur kurze Zeit später ein solch starkes Signal aussenden und sich klar und eindeutig von revanchistischen Bestrebungen distanzieren. Die Heimatvertriebenen, die zu dieser Geste fähig waren, haben nicht nur Respekt verdient, sondern für die Verständigung der Nachbarn Unschätzbares geleistet.“

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