Auf Einladung der FREIE WÄHLER-Landtagsabgeordneten <link http: www.landtagsabgeordnete.eu external-link-new-window external link in new>Gabi Schmidt kamen am 11. Februar Experten aus ganz Bayern im mittelfränkischen Kosbach zusammen, um über Chancen und Herausforderungen der Fischerei und der Teichwirtschaft zu diskutieren. Dabei waren neben Ministeriumsvertretern, Verbandsfunktionären, Wissenschaftlern und Teichwirten auch Tierärzte, Jäger, Gastronomen und Behördenmitarbeiter anwesend. Damit sei es „das erste Fachgespräch, an dem Beteiligte aus fast allen Bereichen einem Tisch sitzen und über die aktuellen Probleme der Fischzucht diskutieren“, betonte Schmidt in ihrer Begrüßung. Um alle wesentlichen Entscheidungsebenen abzudecken, nahmen von politischer Seite auch die Europaabgeordnete <link http: fw-europa.com external-link-new-window external link in new>Ulrike Müller und der Landwirtschaftsexperte der FREIEN WÄHLER im Bayerischen Landtag, <link http: www.johann-haeusler.de external-link-new-window external link in new>Johann Häusler, an der Fachtagung teil.
Biberfonds muss angehoben werden
Einhellige Kritik übten die Experten am Umgang mit Kormoran, Biber und Fischotter. Während letztgenannter sich zunehmend zum Problem für Teichwirte entwickele, auf das es mit Managementplänen zu reagieren gelte, müssten beim Kormoran und Biber vorhandene bestandsregulierende Maßnahmen verbessert werden. So sollten die sogenannten Biberfonds, aus denen vom Biber verursachte Schäden entschädigt werden, angehoben werden. Die derzeit verfügbare Summe von 450.000 Euro habe bereits im vergangenen Jahr nicht ausgereicht. Außerdem wurde gefordert, dass der Biber analog zu Regelungen bei Kleinkläranlagen und Kleinkraftwerken auch bei fischereilich genutzten Teichanlagen als ultima ratio entnommen werden könne. Betreffend Kormoran wurde angeregt, die Kormoranmanager unbefristet anzustellen. Außerdem wiederholte Gabi Schmidt ihren Vorschlag von 2014, das Aischgründer Modell der erweiterten Kormoranvergrämung auf ganz Bayern auszuweiten, womit auch das Interesse der Jäger erregt wurde.
Ebenfalls stark kritisiert wurde der Therapienotstand in der Fischerei. Europaweit seien zwar Medikamente verfügbar, diese wären aber in der Regel für die Behandlung der Fische nicht zugelassen. Auch aus der Praxis kamen Klagen über anhaltende Schwierigkeiten mit den Veterinärbehörden, wobei gerade kleinere Betriebe schon allein personell nicht in der Lage wären, mit der eingeforderten Bürokratie fertig zu werden. Die Vertreterin des Landratsamts räumte ein, dass die zunehmenden bürokratischen Anforderungen Probleme bereiten könnten, gab aber zu bedenken, dass die Behörde aufgrund der Gesetzeslage wenig Spielraum habe. Die Vollzugskräfte säßen hier immer „zwischen Hammer und Amboss“.
Kritik an Prosperitätsgrenze
Bemängelt wurde schließlich die Existenz der Prosperitätsgrenze, die Familien mit Einnahmen von über 120.000 Euro vom staatlichen Förderprogramm ausschließt sowie die drohende Umsetzung der Stauanlagenverordnung. Nach der Ankündigung des Bayerischen Umweltministeriums, im Jahr 2016 auch und gerade kleinere Anlagen auf ihre Standfestigkeit zu prüfen, sind Betreiber wie Teichwirte und Angelvereine verunsichert. Die Erbringung des Nachweises der Standfestigkeit würde viele Eigentümer finanziell überfordern, da wahrscheinlich kostspielige Gutachten nötig wären. Auch eine normgerechte Ertüchtigung könnte sich ein Großteil der Betroffenen nicht leisten. Zwar hieß es aus dem Ministerium, man werde bei der Überprüfung behutsam und mit Augenmaß vorgehen. Besser wäre es aus Sicht der Fischerei allerdings, wenn die maßgebliche Norm ausschließlich für Talsperren, nicht jedoch für Teiche umgesetzt würde.
Schmidt, Häusler und Müller dankten allen Beteiligten für ihr zahlreiches Erscheinen und versprachen Fischern und Teichwirten Unterstützung. So will sich Häusler im Besonderen auf den Biber konzentrieren und in einem ersten Schritt für eine Entbürokratisierung des Entschädigungsfonds und seine finanzielle Aufwertung werben. Müller kündigte an, die für Fischerei zuständigen Brüsseler Behördenmitarbeiter nach Bayern einzuladen und ihnen die kleinstrukturierte traditionelle Teichwirtschaft zu zeigen: „EU-Mitarbeiter sitzen relativ weit weg von den Nöten und Sorgen der Menschen. Man muss Ihnen zeigen, wie es vor Ort wirklich bestellt ist“, meinte die Europaabgeordnete, die sich selbst auch als Netzwerkerin bezeichnete. Das Schlusswort verblieb bei Organisatorin Schmidt: „Der fruchtbare Gedankenaustausch und dass so viele der Einladung gefolgt sind, hat mich sehr gefreut. Hoffentlich geht von diesem Fachtag ein Impuls aus und die Probleme, vor denen Fischer und Teichwirte stehen, kommen auch verstärkt ins Bewusstsein der Entscheider.“
