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10.09.2020

Herbstklausur in München fortgesetzt: FREIE WÄHLER besuchen Naturprojekt Stadtalm im Münchner Werksviertel

Glauber: Städte jetzt fit machen für den Klimawandel

München. Städte sind vom Klimawandel besonders betroffen. Hoher Versiegelungsgrad und dichte Bebauung haben deutliche Auswirkungen auf Stadtklima und Temperatur, gleichzeitig können Starkregenereignisse zu heftigen lokalen Überschwemmungen führen. Umso wichtiger ist es, dass sich Städte und Gemeinden an die Folgen des Klimawandels anpassen – die FREIE WÄHLER Landtagsfraktion will die Kommunen dabei künftig noch besser unterstützen. Am zweiten Tag ihrer Herbstklausur haben die Abgeordneten deshalb das Naturprojekt Stadtalm im Münchner Werksviertel besucht und mit dem Stadtökologieexperten Prof. Dr. Stephan Pauleit über Möglichkeiten einer klimafreundlichen Stadtentwicklung diskutiert.
 
„Klimaschutz und Klimaanpassung gehören zu den größten Herausforderungen unserer Zeit. Wir werden die globale Erwärmung in den Städten viel stärker spüren als auf dem Land – mit weitreichenden Folgen für die Bewohner und die gesamte Infrastruktur“, erklärte Umweltminister Thorsten Glauber. „Wir müssen jetzt die Weichen stellen, um Städte fit für den Klimawandel zu machen. Wir brauchen grüne Fassaden mit Moosen und Farnen, Verdunstungsflächen und Wasser in der Stadt. Wir wollen die Städte von morgen so planen, dass sie über 'natürliche Klimaanlagen' verfügen. Klimaangepasstes Planen und Bauen müssen zum Standard werden.“ Eine frühzeitige Anpassung sei nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch sinnvoll, ist Glauber überzeugt.
 
Um die Folgen des Klimawandels in der Stadt zu reduzieren, seien viele Maßnahmen erforderlich, so Pauleit, der an der Technischen Universität München den Lehrstuhl für Strategie und Management der Landschaftsentwicklung leitet. Im Baubereich könnten intelligente Belüftungstechniken zu einer besseren Kühlung der Gebäude beitragen. „Besonders wichtig ist die Förderung von Grünflächen in den dicht bebauten Innenstädten, um Hitzebelastungen zu vermindern und Überflutungen von Straßen und Kellern nach Sturzregen zu vermeiden.“
 
Wichtig sei zudem, dass die Straßen in den Städten wesentlich grüner würden. Denn Bäume spendeten Schatten und Pflanzen verdunsteten Feuchtigkeit, wodurch es kühler werde. Auch Dach- und Fassadenbegrünungen würden zu einer Kühlung der Gebäude beitragen. „Grüne Infrastruktur“ sei deshalb eine Schlüsselmaßnahme zur Klimawandelanpassung. „Diese Effekte müssen wir uns zunutze machen“, bekräftigte Glauber. „Wir brauchen mehr Dachgärten, mehr Fassadenbegrünung und viel mehr Bäume.“

Mit der Stadtalm und den weiteren begrünten Dächern im Werksviertel sei ein Vorzeigeprojekt urbaner Klimaanpassung entstanden, so Glauber weiter: „In der Stadt gibt es immer mehr versiegelte Flächen und immer weniger Grün. Dieser Entwicklung steuert die Stadtalm entgegen; sie zeigt, wie unsere Städte in Zukunft ressourcenschonender und mit möglichst viel Natur funktionieren können. Gründächer sind eine platzsparende Möglichkeit, Wärmedämmung, Regenwasserrückhalt und ökologischen Ausgleich zu kombinieren.“ Gerade begrünte Dächer trügen außerdem langfristig zum Erhalt der Biodiversität in den Städten bei.
 
Bei der Anpassung an den Klimawandel sei allerdings entscheidend, dass Kommunen mit dieser „Herkulesaufgabe“ nicht alleingelassen würden, ergänzte der umweltpolitische Fraktionssprecher Benno Zierer. „Kommunen sind für viele Bereiche verantwortlich, in denen Anpassungsmaßnahmen umgesetzt werden müssen. Dazu gehören zentrale Bestandteile der Infrastruktur wie Straßen oder die Planung von Grünflächen. Die Kanalisation, öffentliche Gebäude, Krankenhäuser oder die Erstellung von Hitzeaktionsplänen zum Schutz der menschlichen Gesundheit liegen meist ebenfalls in kommunaler Hand“, fasst Zierer zusammen. Auch für Flächenknappheit und Baudruck müssten intelligente Lösungen gefunden werden. Maßgeblich sei, dass Nachverdichtungsmaßnahmen nicht zulasten der Grünflächen gingen. „Es gilt, in die Höhe zu bauen – nicht in die Breite“, so Zierer.

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