Würzburg. Kleinsatelliten sind kostengünstig, flexibel und schnell einsatzbereit – das macht sie für Wissenschaft und Industrie besonders interessant. Welche Rolle die Entwicklung von Kleinsatelliten für die Raumfahrt spielt und wie die New Space-Branche zum Wirtschaftsmotor für Bayern werden kann, hat die FREIE WÄHLER Landtagsfraktion am Nachmittag bei ihrer Herbstklausur in Würzburg mit Prof. Klaus Schilling (Zentrum für Telematik Würzburg) und Prof. Frank Schäfer (Fraunhofer Institut) diskutiert.
„Die Raumfahrt hat sich in den vergangenen Jahren zu einem dynamischen Wachstumsmarkt entwickelt, in dem kommerzielle Anbieter und Start-ups eine zunehmend wichtige Rolle spielen. Besonders interessant ist dabei die gewinnorientierte Entwicklung von Kleinsatelliten“, erklärt der wirtschaftspolitische Sprecher Markus Saller: „Bis 2030 werden etwa 90 Prozent der startenden Satelliten Kleinsatelliten sein. Das macht sie zu einer zentralen Triebfeder für den gesamten New Space-Bereich.“ Allein: „Deutschland und insbesondere Bayern besitzen zwar eine führende Position in der Kleinsatellitentechnik. Diese schlägt sich jedoch bislang nicht in einer führenden Position am internationalen Markt nieder.“
Ziel der FREIE WÄHLER Landtagsfraktion sei deshalb, die Technologieführerschaft bayerischer Unternehmen dauerhaft zu sichern und die internationale Wettbewerbsfähigkeit im New Space-Bereich auszubauen. „Kleinsatelliten haben das Potenzial, die Raumfahrtbranche grundlegend zu revolutionieren und zu einem echten Wachstumsmotor für die bayerische Wirtschaft zu werden. Denn sie sind für viele unterschiedliche Aufgaben im Raumfahrtbereich einsetzbar, können preisgünstig in industriellem Maßstab hergestellt und zu modularen Systemen von nahezu beliebiger Größe kombiniert werden“, erklärt Saller. Die Entwicklung dieser „Alleskönner im All“ wolle die Fraktion deshalb aus dem Landtag heraus unterstützen, so Saller.
Die Zeit dränge, betont Saller. Denn was nach Zukunftsmusik klänge, sei in Wirklichkeit längst Realität: „Erst im Juli sind neun Kleinsatelliten, die vom Zentrum für Telematik (ZfT) in Würzburg entwickelt wurden, ins All befördert worden, um von dort aus künftig Waldschäden in Bayern zu erkennen oder den Katastrophenschutz beim Hochwasser zu unterstützen. Deshalb ist jetzt der Zeitpunkt, die richtigen Weichen für eine nachhaltige Entwicklung der New Space-Branche zu stellen.“
Dazu erklärt Prof. Klaus Schilling: „Kleinsatelliten sind im gegenwärtig stark wachsenden Raumfahrtsektor eines der Felder mit dem größten Wirtschaftspotenzial, insbesondere wenn hier viele Satelliten gemeinsam zusammenarbeiten. Obwohl die Technik für Multi-Satellitensysteme in vorderster Front auch in Bayern mit entwickelt wurde, entstehen gegenwärtig die großen kommerziellen Satellitennetze in Telekommunikation und Erdbeobachtung vor allem in USA und China. Um die noch bestehenden lukrativen Nischenbereiche zu besetzen, sollte deshalb rasch gehandelt werden. Dafür sind Fähigkeiten nötig, um zeitnah Hunderte von Satelliten in einem Jahr zu produzieren. Damit können dann zum Nutzen der Bürger resilientere Infrastrukturen in Landwirtschaft oder Energieversorgung aus dem All unterstützt werden. Einsatzkräfte bei Naturkatastrophen können so auch zeitnah mit Informationen versorgt werden, wie gerade die in Würzburg vom Zentrum für Telematik für das Bayerische Wirtschaftsministerium hergestellten drei TOM-Satelliten beim Ausbruch des Vulkans Anak Krakatau aufgezeigt haben."
Dazu sagt Prof. Dr. Frank Schäfer: „Kleinsatelliten sind der Schlüssel, um die Technologieregion Würzburg zukunftsfest aufzustellen, Innovations- und Wirtschaftskraft vor Ort zu stärken und hochqualifizierte Arbeitsplätze aufzubauen. In den kommenden Jahren werden weltweit riesige Satellitennetzwerke entstehen. Dieses enorme Marktpotenzial haben auch die Bundesregierung sowie die EU-Kommission erkannt: Die Bundesregierung hat im aktuellen Haushalt 35 Milliarden Euro für Raumfahrt und Sicherheit eingeplant, die EU für die nächsten sieben Jahre 131 Milliarden Euro. Wir befinden uns daher aktuell in einer Situation, die wirtschaftlich extrem interessant ist. Jetzt gilt es, den Aufbau der Lieferkette für eine industrielle Produktion zu forcieren.“
Seitens des Freistaats tue man bereits viel, um der Branche unter die Arme zu greifen, ergänzt Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger: „Global betrachtet bietet die Raumfahrt einen Wachstumsmarkt, der deutlich schneller wächst als die übrigen Wirtschaftszweige. Verstärkt wird dieser Boom durch den erhöhten Bedarf an militärischer Raumfahrt. Der Freistaat Bayern hat die Zeichen der Zeit erkannt und investiert schon jetzt 18,2 Millionen Euro in die Zukunftstechnologie der Kleinstsatelliten. Jetzt gilt es, dieses Engagement auszuweiten und zu verstetigen.“
Um ihren Vorschlägen Nachdruck zu verleihen, hat die Fraktion eine Resolution zur Stärkung der Kleinsatellitenwirtschaft verabschiedet.
Hinweis: Die Resolution „Innovation ermöglichen – Wachstum entfesseln: Bayerns Chancen im New Space-Zeitalter nutzen und die Kleinsatellitenwirtschaft stärken“ finden Sie HIER. Ein Pressefoto finden Sie HIER (© Mario Schmitt).



