München. Die EU-Kommission plant, die Agrarpolitik in einem gemeinsamen Fonds zu verankern – unter anderem zusammen mit Regional-, Fischerei- und Sozialpolitik. Dadurch sehen sich Europas Landwirte ab 2028 mit weniger Geld, dafür aber mit mehr Auflagen konfrontiert. Bei ihrem Parlamentarischen Abend „Agrarpolitik neu denken – Zukunft durch Zertifizierung sichern“ hat die FREIE WÄHLER Landtagsfraktion nun ein Zeichen für mehr Praxisnähe und weniger Bürokratie gesetzt – und mit ausgewählten Fachleuten – darunter Hans Bogner, Geschäftsführer der QAL GmbH Deutschland, und Prof. Dr. Harald Grethe vom Institut für Agrar- und Gartenbauwissenschaften an der Humboldt-Universität Berlin – über den von Ulrike Müller, Sprecherin für Landwirtschaft, vorgelegten Vorschlag diskutiert, Zertifizierung als Schlüssel für die Vereinfachung der europäischen Agrar- und Ernährungspolitik einzusetzen.
„Unsere Landwirte produzieren Lebensmittel auf höchstem Niveau und können das mitunter auch schwarz auf weiß belegen: Oftmals nehmen sie verschiedene Kontroll- und Zertifizierungsdienstleistungen in Anspruch und werden nach umfangreichen Kriterien bewertet“, erklärt Müller. Leider nehme die aktuelle Agrarpolitik bislang kaum Kenntnis davon und die landwirtschaftlichen Betriebe würden zur Prüfung der Einhaltung der GAP-Anforderungen wiederholt kontrolliert. „Diese unnötige Bürokratie muss ein Ende finden! Statt Landwirtschaftspolitik nur anhand bestimmter Vorgaben von oben herab zu denken, müssen die Landwirte zur Aufrechterhaltung der Versorgung mit Lebensmitteln wieder im Vordergrund stehen. Als FREIE WÄHLER-Fraktion fordern wir daher, einen besseren Nutzen aus bestehenden Zertifizierungssystemen zu ziehen!“, so Müller.
Diese sollten hinsichtlich ihrer Kriterien an die Erfordernisse der Politik angepasst werden und als Nachweis für zum Beispiel Standards des guten Landwirtschaftlichen und Ökologischen Zustands (GLÖZ) gelten. „Unserer Ansicht nach sollten Betriebe nur einmal auf denselben Sachverhalt geprüft werden. Was bei Biobetrieben funktioniert, soll unseren konventionellen Landwirten nicht verwehrt bleiben. Die Betriebe sollen sich für ein Zertifizierungssystem ihrer Wahl entscheiden und sich damit von weiteren GAP-Kontrollen befreien können. Ressourcenschonendes Wirtschaften meint nicht nur die Entlastung der Umwelt, sondern auch der Menschen hinter den Betrieben“, betont Müller.
Christine Singer, Mitglied des Europäischen Parlaments, ergänzt abschließend: „Agrarpolitik neu denken: Wir brauchen ein sichtbares Zeichen für weniger Bürokratie! Wenn wir Einzelkontrollen durch Zertifizierungen ersetzen, entsteht mehr Eigenverantwortung und größeres Vertrauen in die EU-Politik.“





